21. SONNTAG IM JAHRESKREIS

24. August 2014

Lesungen:  Röm 11,33-36 / Mt 16,13-19

Gedanken zu den Lesungen:

Wann haben Sie das letzte Mal über Gott wirklich gestaunt? Wann waren Sie von seiner Größe und Erhabenheit ergriffen, so wie Paulus es in der 1. Lesung beschreibt? „Wie groß bist du doch, Gott! Wie unergründlich, wie unerschöpflich wie. Du allein bist Schöpfer und Herr. Von dir kommt alles, durch dich lebt alles, in dir vollendet sich alles.“ Hier ist ein Mensch von der Größe und Erhabenheit Gottes gepackt und überwältigt. Es ist die Ur-Sehnsucht des Glaubenden, Erfahrungen mit Gott zu machen.

Die Frage nach Gott hat sich im Laufe der Menschheitsgeschichte geändert. Frühere Generationen haben gefragt: „Wer oder was ist Gott?" Sie haben versucht Gottes „objektives" Wesen zu ergründen. Aber das ist nicht möglich. In der Zeit von Martin Luther (16. Jh) stand die Frage im Mittelpunkt: „ Wie ist Gott für mich?" Wie steht er zu mir? Wie ist die Beziehung von Gott zu den Menschen? In der heutigen Zeit steht eher die Frage im Vordergrund: „Wo ist Gott?" Wo kommt denn Gott in unserer Welt überhaupt noch vor? Wo gibt er sich zu erkennen? Welche Erfahrungen veranlassen uns, von Gott zu sprechen? Man redet heute viel vom Schweigen Gottes, von seiner Abwesenheit, in jedem Fall von einem letztlich unbegreiflichen, fernen Gott. Für viele Menschen heute ist Gott in die Ferne gerückt, er gehört nicht mehr zu ihrem Leben, und wenn schon, dann nur am Rande - wenn es ihnen schlecht geht zum Beispiel.

Wo ist Gott? Wie kann ich ihn finden? Es gibt da die klassischen Antworten, wie: Gott finde in in der Natur, Gott begegne ich in meinem Gewissen. Für uns, Christen, ist aber der wichtigste Weg zu Gott, Jesus von Nazareth, den wir den Christus nennen und nach dem wir uns deswegen Christen nennen. Von ihm wissen wir, wer Gott ist, wie Gott zu uns steht und was Gott von uns erwartet. Das Problem dabei ist, dass viele, auch praktizierende Christen, mit Jesus wenig oder sogar überhaupt nichts anfangen können. Das stelle ich z.B. jedes Jahr aufs Neue bei den Elternseminaren der Erstkommunion fest. Aber das wurde auch in einer Bibelrunde gesagt: „Wir haben früher, im Religionsunterricht von Gott gehört, aber von Jesus wissen wir eigentlich wenig.“ Dabei geht es nicht so sehr um Information und Wissen, sondern um unser Vertraut-Sein mit ihm, so dass wir verstehen können, was er meint und was er über Gott sagt. Deswegen ist das heutige Evangelium so wichtig.

Jesus stellt ganz direkt die Frage an jede und jeden von uns: „Wer bin ich für dich? Was bedeute ich dir? Welche Rolle spiele ich in deinem Leben?“ Was antworte ich, ganz persönlich, darauf? Bevor ich von einem Menschen sagen kann, was er mir bedeutet, muss ich ihn kennengelernt haben, mit ihm vertraut geworden sein!

Werde ich einfach die Worte von Petrus übernehmen und sagen: „Du bist der Messias“, der „Sohn Gottes“? Aber das ist doch eine Sprache und das sind doch Begriffe von damals! Verstehen wir sie überhaupt noch? Was können wir mit ihnen anfangen? Müssen wir nicht nach anderen Worten und Begriffen suchen, um genau ausdrücken zu können, wer Jesus für uns ist?

Jesus, der Sohn Gottes? Ja, aber dann müssen wir wissen, dass im orientalischen Raum,wo die Bibel entstanden ist, „Sohn“ nicht nur biologische Abstammung, sondern auch Verkörperung bedeutet. Sagen wir nicht: „Er ist seinem Vater ähnlich“, oder: „Er ist ganz der Vater“? Aus dem Sohn spricht ganz der Vater. Im Sohn finden wir die Wesenszüge seines Vaters wieder.

Das heißt also: In Jesus wird etwas vom Wesen des Vaters, von Gott, erfahrbar. In Jesus erkennen wir etwas von Gott. Durch Jesus finden wir zu Gott. Er ist ja der von Gott zu uns Gesandte. Durch ihn will Gott uns etwas sagen. Deswegen ist Jesus so wichtig für uns, für mich, für mein Leben.

Ist es nicht angebracht, uns mehr und bewusster mit Jesus auseinanderzusetzen, ihn besser kennen zu lernen, mit ihm mehr vertraut zu werden, so dass wir wirklich verstehen lernen, was er uns über Gott sagt, damit wir Gott in unserem Leben erfahren können, damit Gott uns nahe ist? „Wer bin ich für dich?“, fragt Jesus.

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